„Ich möchte meine Freunde zurück und meine Schule!“

Wie erleben Kinder die Krise in Kamerun? 

Fai Alison (Name geändert), ein Viertklässler aus Nseh, einem Dorf im Bui Bezirk, musste fliehen. Er ist heute einer von etwa 500.000 Internally Displaced People (IDPs, Binnenflüchtlinge) in Kamerun. Der Zwölfjährige erzählt:
„Sie kommen! Leute, rennt! Sie sind schon im Mbovem Dorf, rennt schneller…“ Dies sind die letzten Worte seines Lehrers, an die sich Alison erinnert. Es waren die letzten Worte, die er in dem Klassenzimmer seiner Schule im November 2016 gehört hat. Er und alle anderen dachten, sie würden nach ein paar Tagen zurückkommen. Das hat sich als Märchen entpuppt, heute sind die Türen der Cameroon Baptist School Nse, die er besuchte, von Spinnweben versiegelt, in den Klassenzimmern tummeln sich Ziegen.
Alison verbrachte viele Tage in einem abgelegenen Dorf, wo er seine Mutter auf der Farm unterstützte, während seine Schwester von einer Tante in die Hauptstadt Yaoundé (im französischsprachigen Teil Kameruns) gebracht wurde. Nachdem er zwei Jahre in dem Dorf seiner Mutter in der Landwirtschaft geholfen hatte, nahm ihn die Tante seiner Mutter mit in die englischsprachige Hauptstadt des Nordwestens nach Bamenda, wo er jetzt bei einer Familie wohnt, sich um ein einjähriges Mädchen kümmert und als „Hauslehrer“ angestellt ist. Doch das stellt ihn nicht zufrieden. Er sagt, dass er die Gemeinschaft der anderen Kinder und seine Freunde sehr vermisst.
Dann erzählt Alison, dass er Albträume hat, wenn er an seinen Vater und seine Freunde denkt. Die schlimmsten Träume hat er, wenn er hört, dass das Militär wieder ein Dorf angegriffen hat auf der Suche nach „Ambazonia“ Kämpfern. „Jeder wird geschlagen mit großen Militär-Schlagstöcken und manche werden getötet.“
„Meine Schwestern hat „Lamnso“ (die Sprache des Nso-Volks) verlernt und ist schon in der zweiten Klasse der Sekundarschule. Sie kann Englisch sprechen. Ich möchte sein wie sie“, sagt er. „Ich möchte zurück in die Schule. Mein schlimmster Verlust ist die Farm und Wohnhaus unserer Großfamilie und die Kirche von Ngendzen, die beide dem Feuer zum Opfer gefallen sind. Ngendzen ist das Dorf, wo ich in der Landwirtschaft gearbeitet und mit meiner Großmutter Erdnüsse gegessen habe. Das Knallen von Gewehrschüssen jagt mir immer Angst ein und ich bete jeden Tag, dass die Dinge wieder normal werden, so dass ich zur Schule gehen kann. Unglücklicherweise bin ich inzwischen zu alt für die Grundschule, aber ich wäre total happy, wieder zur Schule zu gehen.“
Aus Lamnso übersetzt von D.G.A.B
 
Lamnso’ wird von der Nso’-Gruppe im Bui-Bezirk der Region Nordwest Kameruns gesprochen. Wörtlich übersetzt bedeutet Lamnso’ „Sprache der Nso‘-Menschen“. Es handelt sich dabei um eine Grasland-Bantusprache, die zur Ost-Ring-Gruppe der Grasland-Sprachen im engeren Sinne gehört. Nach der Internetdatenbank „Ethnologue“ gibt es etwa 240.000 Sprecher des Lamnso‘ (Lewis et al. 2015), von denen die meisten im traditionellen Nso’-Stammesfürstentum leben, welches auch Teil des Bui-Bezirkes ist.

Die Person, die das Interview mit dem Jungen geführt hat, ist persönlich bekannt. Sie steht in Kontakt mit Kindern von IDPs und sagt, es sei eine Geschichte, wie sie jetzt viele Kinder erzählen in Kamerun. Aber es hört niemand zu.
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