Brennpunkt  .   Kamerun

Bafut Massaker 29. Januar

Junge Männer zwischen 14 und 24 Jahren haben in Kamerun derzeit das höchste Todesrisiko. Es sind nicht Drogen oder Verkehrsunfälle, die ihnen das Leben nehmen, sondern das kamerunische Militär. Wird irgendwo ein Stützpunkt der Unabhängigkeitskämpfer vermutet wie hier in Bafut (Nordwest-Provinz) bei Bamenda, wird jeder junge Mann, der sich in der Gegend aufhält, kurzerhand zum Terroristen erklärt. Nach der Ermordung werden den Unglücklichen oft Gewehre in die Hand gelegt, um die Toten mitsamt ihrer vermeintlichen Waffen wie eine Siegestrophäe zu präsentieren. Die Bilder werden vom Militär in Umlauf gebracht, um den Kampfeswillen der Unabhängigkeitsbewegung zu brechen. Doch das Gegenteil wird erreicht. Jeder Tote radikalisiert weitere junge Männer. Gewalt gebiert neue Gewalt. Ein Krieg ohne Aussicht auf ein Ende.

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Oppositionsführer in Haft

Sitzt in Untersuchungshaft: Maurice Kamto von der Bewegung für die Renaissance Kameruns (MRC)Foto: reuters

COTONOU taz | „Niemand kann ihn zu Gesicht bekommen“, so lautet am Dienstagmittag die Nachricht eines Parteigenossen von Maurice Kamto, der vergangenes Jahr dem kleinen Wahlkampfteam des kamerunischen Oppositionsführers angehört hat. Vermutlich hat er die Mitteilung vorsichtig in einem unbeobachteten Moment getippt. „Wir sitzen beide in Untersuchungshaft“, schickt er wenig später eine weitere knappe Mitteilung. Um die 50 Personen seien aktuell inhaftiert. Danach dringen keine Informationen mehr nach draußen.

Mit der Verhaftung von Maurice Kamto hat die politische Krise nach Kameruns Präsidentschaftswahl vom 7. Oktober einen neuen Höhepunkt erreicht. Am Montagabend wurde der 64-Jährige in der Hafenstadt Douala festgenommen. Er hielt sich im Haus von Albert Dzongang, selbst zweimaliger Kandidat und mittlerweile Kamtos Unterstützer, auf. Berichten zufolge gab es ein massives Polizeiaufgebot, bis er gegen 20 Uhr abgeführt wurde. Er soll in die Hauptstadt Yaoundé gebracht worden sein.

Das ist die Reaktion der Regierung auf die Proteste vom vergangenen Samstag. Kamtos Partei, die Bewegung für die Renaissance Kameruns (MRC), hatte zu diesem Termin wie bereits wiederholt zuvor zu Demonstrationen aufgerufen. Denn er, der bekannteste Oppositionspolitiker des 25-Millionen-Einwohner-Landes, sieht sich und nicht den seit 1982 regierenden Präsidenten Paul Biya als wahren Sieger der Wahl vom Oktober.

Das hatte Kamto damals schon keine 24 Stunden nach Schließung der Wahllokale verkündet und von einem „klaren Mandat“ gesprochen. Es war jedoch eine kleine Feier gewesen, vor ein paar Dutzend Journalisten und Parteimitgliedern. Autokorsos oder Straßenumzüge hatte es nicht gegeben. In den offiziellen Ergebnissen erhielt der einstige UN-Mitarbeiter, der auch jahrelang unter Paul Biya gearbeitet hatte, dann lediglich 14,23 Prozent.

Am Samstag schien die Mobilisation zu gelingen. In gleich fünf Städten wurde demonstriert, was Kameruns Behörden offenbar Angst machte. 117 Personen wurden festgenommen. Samira Daoud, stellvertretende Leiterin für West- und Zentralafrika der Menschenrechtsorganisation Amnesty International, forderte am Montagabend: „Die Behörden müssen die Verhafteten unverzüglich und bedingungslos freilassen. Niemand darf verhaftet werden, nur weil er seine Meinung äußert.“

Schüsse sollen gefallen sein

Laut Amnesty sollen Demonstrationsteilnehmer geschlagen worden sein, auch Schüsse wurden offenbar abgefeuert. Regierungssprecher René Emmanuel Sadi hat die Anschuldigungen jedoch zurückgewiesen.

Mehrere Oppositionspolitiker Kameruns solidarisieren sich mit Maurice Kamto. Über Twitter kritisierte Jurist und Menschenrechtsexperte Hilaire Kamga die Entwicklung scharf. Sie sei eine neue Provokation des „illegitimen Regimes von Yaoundé“. In einem weiteren Schreiben forderte er alle Bürger auf, mobilisiert zu bleiben. „Zusammen werden wir gewinnen.“

Akéré Muna, der einen Tag vor der Wahl im Oktober seine Kandidatur zurücknahm, und zur Wahl Kamtos aufrief, sagte, die Regierung würde beim Versuch, ihre Stärke zu zeigen, stattdessen Schwächen aufdecken. Sie würde ein Land verwalten, das auf den Aufstand zusteuert, prophezeit der Jurist.

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Oppositionsführer verhaftet – Botschaften in Paris und Berlin besetzt

Die Botschaft der Republik Kamerun in Berlin-Westend ist in der Nacht zum Sonntag analog zur kamerunischen Botschaft in Paris besetzt worden. „Etwa zehn Personen drangen in das Gebäude ein und stellten politische Forderungen“, sagte ein Sprecher der Polizei am Morgen. Dabei kam es auch zu Beschädigungen in dem Gebäude. Die Polizei rückte mit einem großen Aufgebot in der Ulmenallee an und versuchte, die Menschen aus der Botschaft zu bringen. „Zu den Hintergründen können wir noch nichts sagen. Das müssen wir uns noch genauer ansehen“, sagte der Sprecher weiter. Verletzte habe es bei dem Einsatz bislang nicht gegeben, hieß es. Der Einsatz laufe noch. (dpa)

Hintergrund der Botschaftsbesetzungen ist die von Diktator Paul Biya verlorene Präsidentschaftswahl vom Oktober 2018. Im Zusammenhang mit Demonstrationen in vielen großen Städten Kameruns wurde Ende Januar der Oppositionsführer und eigentliche Wahlgewinner Maurice Kamto verhaftet.

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Massaker in Mpondu Balong / Muyuka Division

25. Januar in Mpondu Balong Muyuka. Die jungen Männer haben Fußball gespielt. Das Militär hat sie umzingelt und erschossen. Keiner überlebte das Massaker.

Es häufen sich Meldungen, dass das kamerunische Militär gezielt junge Männer erschießt. Manche Berichte sprechen davon, dass die Soldaten Anweisung haben, alles, was männlich ist und älter als 12 Jahre, zu töten. In einem Dorf wurde ein Mädchen von Kugeln getroffen. Auf die verzweifelte Frage, warum die Soldaten auf Mädchen schießen, erhielt man zur Antwort: „es hat doch ein rotes Shirt getragen, und die Amba Boys tragen rote Shirts.“

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Erschreckende Zahlen – aktueller UN OCHA Bericht

Die offiziell von UN OCHA erhobenen Zahlen per 31.12.2018 zu Kamerun:

3,700 unbegleitete oder von Eltern getrennte Kinder benötigen Hilfe und Psycho-soziale Unterstützung
40% aller Kliniken und Gesundheitszentren im anglophonen Kamerun können derzeit keine Impfungen vornehmen
85% der Geburten geschehen ohne jede Unterstützung
4 Mio Menschen betroffen
1,3 Mio Menschen in Not
160.000 Menschen akut betroffen durch Tod, Verletzung, Verlust
437.500 Binnenflüchtlinge ohne Dach über dem Kopf
500.000 Menschen in Notbehelfsunterkünften
330.000 Menschen zusätzlich auf Hilfe angewiesen

Der Bericht ist detailliert und lohnt zu lesen. Leider bislang nur in englischer Sprache verfügbar:

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Trauerfeier in Kumbo durch Unruhen um 5 Wochen verzögert


Erst im neuen Jahr konnte im Kumbo jetzt der Trauergottesdienst für die Todesopfer abgehalten werden, die Anfang Dezember bei einer „Säuberungsaktion“ des kamerunischen Militärs ums Leben gekommen waren einschließlich eines kamerunischen Priesterschülers. Hier der Youtube-Videobericht in englischer Sprache.

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Armee mordet weiter, Dörfer brennen

Angehörige der Armee brennen seelenruhig Häuser nieder. Menschen, die sich ihnen entgegenstellen und das Abbrennen oft in mühsamer jahrelanger Arbeit aufgebauter Farmhäuser verhindern wollen, werden mit dem Gewehr im Anschlag empfangen.

Landwirte und Gemüsefarmer in Kuke Mbomo, einer Stadt in Mbonge County, wurden heute morgen von der Armee gestoppt und brutal erschossen, als sie auf dem Weg zu ihrem Farmland außerhalb des Ortes waren. Das Töten unschuldiger Bürger durch das Militär geht ununterbrochen weiter, niemand scheint es zu kümmern. Die Vereinten Nationen lassen sich noch immer vom 85-jährigen Präsidenten Paul Biya mit der Erklärung beruhigen, es handele sich „um eine interne Angelegenheit Kameruns“.

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Aufführungen, Tanzen, Feiern unter erschwerten Bedingungen: in vielen Gemeinden fällt das Fest der Kinder den Unruhen zum Opfer

Wo der Jahreshöhepunkt der Kinder, das Kindergottesdienst-Fest im Januar stattfinden konnte, waren die Kinder und ihre engagierten Helferinnen und Helfer im Glück. Ein Zeichen des Friedens inmitten von Bedrohung und Gewalt. In vielen Gemeinden musste es dieses Mal leider aus Sicherheitsgründen ausfallen. Die Kinder proben oft monatelang ihren Auftritt in Schauspiel, Tanz und dem Vortragen von auswendig gelernten Bibelsprüchen.
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Kamerun-Krise auf einen Blick

Wenige Menschen wie Julia Kaiser haben die Gabe, einen komplexen Sachverhalt auf einer Seite so anschaulich darzustellen, dass er verständlich wird. Sie hat selbst als junge Freiwillige ein Jahr in Kamerun gelebt. Die Berichte haben sie so berührt, dass sie die Herausforderungen unserer Partner dort mit spitzem Bleistift auf den Punkt brachte. Sehenswert!
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Junger Vater in Bafut erlebt Jahresende nicht – Kamerunische Militärs auf Menschenjagd

Nach einer kurzen Online-Pause finde ich heute 04.01.2019 diese erschütternde Meldung aus Bafut vor, bezeugt vom Bruder des Getöteten, der sich in Deutschland aufhält:

„Am 30. Dezember, Sonntagmorgen, als die noch nicht geflohenen Bafuter auf dem Weg zur Kirche waren, hörte man Schüsse. Es waren schwer bewaffnete Gendarmen des Kamerunischen Militärs, anscheinend auf der Suche nach Rebellen (Amba boys). Alles floh, die Gendarmen umstellten ein Haus im Nfornsoh-Compound. Die älteste Tochter wurde angewiesen, alle Waffen aus dem Haus zu holen, doch da waren keine. Anschliessend stürmten die Gendarmen das Haus, brachen alle Türen auf und fanden nichts. Der Bruder hatte sich im Dachboden versteckt. 

Es war klar, dass er noch irgendwo im Haus war, und er wurde gefunden. 

Dann schleppten sie ihn hinaus, schlugen ihn und machten ihn mit Schüssen in den Oberarm sowie ins Bein bewegungsunfähig. Der dritte Schuss war tödlich. Die Leiche wurde mit einer unbekannten Substanz eingesprayt, man platzierte einige seiner Schreinerwerkzeuge daneben, machte eine Foto und verschwand. Die Familienangehörigen, auch Kinder, waren Zuschauer. Heute war die Beerdigung.“

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Todesrate von Pfarrern und Priestern in Kamerun steigt

Mehr als 20 Pfarrer, Diakonissen und Priester sind im Bürgerkrieg um das Anglophone Kamerun bereits ums Leben gekommen. Unzählige Pfarrhäuser wurden von der Armee abgebrannt, selbst Kirchengebäude, Krankenhäuser oder Fons-Paläste sind nicht sicher. Während solche eklatanten Verletzungen der Menschenrechte passieren, behauptet Präsident Paul Biya noch immer, es handele sich „um eine interne Angelegenheit“
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